Farbe: Der Eyecatcher Kontrast (2)

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Farben begleiten uns tagtäglich. Sie sind überall und ohne sie würde sich das Leben von fast allen Menschen trostlos anfühlen. Gerade Werbefachleute setzen Farben gezielt für Marketingzwecke bei ihren Drucksachen, bei der Produkt- und Raumgestaltung, sowie auch im Verpackungs- und Werbeartikel Design ein.

Warum einen Kontrast verwenden?

Auch in der Kunst spielen Farben eine wichtige Rolle. Denn man kann nicht nur einzelne Farbtöne verwenden, um eine bestimmte Wahrnehmung zu erzielen. Oft setzt man sowohl in der Kunst als auch in der Werbebranche auf Kontraste, die durch ihre unterschiedliche Wirkungsweise starke Emotionen und sogar Erinnerungen auslösen können. Somit haben also auch Farbkontraste unmittelbaren Einfluss auf das Leben und Wohlbefinden eines Menschen und nehmen dementsprechend einen entscheidenden Faktor ein, ob zum Beispiel ein Produkt ein Erfolgsschlager oder ein Flop wird.

Im heutigen Beitrag stellen wir Ihnen deshalb die restlichen 4 von insgesamt 7 versch. Möglichkeiten vor, aus welchen Farben ein Kontrast entstehen kann. Schließlich ist das Auge bzw. die visuelle Wahrnehmung der dominanteste Sinn des Menschen. Hier finden sie den Beitrag, in dem bereits der Hell-Dunkel-Kontrast, der “Farbe an sich-Kontrast” und der Warm-Kalt-Kontrast sowie deren Wirkungen erläutert wurden.

Komplementär-Kontrast

Der Komplementärkontrast ist eine besondere Form des “Farbe an sich-Kontrast”. Er entsteht aus den sich im Farbkreis gegenüberliegenden Farben -sprich Blau/Orange, Rot/Grün und Gelb/Violett- und ist demnach besonders kontrastreich. Durch ihre Gegensätzlichkeit steigern sich Komplementärfarben direkt nebeneinander platziert zu höchster Leuchtkraft, zur höchsten Farb- und Lichtwirkung. Damit erwecken sie leicht den Eindruck von Buntheit, rufen aber auch den Eindruck von Bewegtem, Lebhaftem, aber auch vom Vollständigen und Abgeschlossenen hervor. Gerade dadurch stellen sie in einem ausgewogenen Verhältnis ein Gleichgewicht im Auge her. Jedoch gibt es zu jeder Farbe auch nur eine komplementäre Farbe- die Ergänzungsfarbe.

Mischt man komplementäre Farben miteinander, so löschen sie sich gegenseitig aus und ergeben in ihrer Mischung ein neutrales Grauschwarz. Aber generell gilt: Je ungetrübter die Farbpaare sind, umso stärker kommt der Komplementärkontrast zu Geltung.

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Simultan-Kontrast

Er ist der Kontrast, der unser Farbensehen mit am meisten beeinflusst und sich aus dem Komplementärkontrast ergibt. Hierbei handelt es sich sozusagen um einen rein physiologischen Korrekturvorgang des Sehorgans, also um eine optische Täuschung.

Der Simultan-Kontrast beschreibt die Wechselwirkung von nebeneinander liegenden Farbflächen. Das heißt, dass jede Grundfarbe mit ihrer Gegenfarbe die auf ihr aufgebrachte Farbfläche beeinflusst. Wenn man zum Beispiel ein rotes Quadrat auf ein kleines neutrales graues Quadrat legt, wird man feststellen, dass  sich das graue Quadrat ins rötliche und damit in eine warme Farbgebung verschiebt. Das Auge schafft quasi, ohne, dass der Betrachter etwas dagegen tun kann, einen Ausgleich. Es wird also eine Farbempfindung erzeugt, die real eigentlich nicht vorhanden ist. Sozusagen ist es also egal, in welchem Zusammenhang eine Farbe wahrgenommen wird. Es wird immer gleichzeitig (simultan) die komplementäre Ergänzung mit wahrgenommen, die dann wieder auf die Ausgangsfarbe überstrahlt.

Besonders stark treten Simultankontraste auf, wenn nicht genau komplementäre Farben gewählt werden, sondern welche, die nach Ittens Farbkreis genau daneben liegen. Stellt man beispielsweise Rot nicht Grün sondern Gelbgrün oder Blaugrün gegenüber, wird die Wirkung verstärkt. Die Wirkung lässt sich aber noch weiter steigern, wenn durch die Anordnung gleichzeitig ein Quantitätskontrast erreicht wird.

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Quantitäts-Kontrast

Dieser Kontrast wird auch Proportionskontrast genannt und entsteht durch die Gegenüberstellung verschieden großer Farbflächen. Wenn diese in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, ist die optische Wirkung der Farben gleich intensiv und alles wirkt harmonisch. Demnach sind Farben unterschiedlich “schwer” bzw. erfordern unterschiedlich viel Fläche, um proportional ausgewogen zu wirken. Nach Goethe, der für diese Lichtwerte als Erster in seiner Farbenlehre einfache Zahlenverhältnisse aufgestellt hat, entspricht ein Teil Orange zwei Teilen Blau oder ein Teil Gelb etwa drei Teilen Violett. Rot und Grün stehen bei gleichen Teilen im Gleichgewicht.

Das Verhältnis der Farbenmengen in der Darstellung ist daher von wichtiger Bedeutung für die Gesamtwirkung des Fotos oder der Grafik. Warme und helle Farbtöne wie Rot, Orange und Gelb dominieren gegen kalte und dunklere Farben leichter durch als umgedreht, da die unterschiedlichen Mengenanteile Spannung und Lebendigkeit erzeugen können. Durch größere Flächeninhalte der dunkleren und kalten Farben kann dies aber wieder ausgeglichen werden.

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Qualitäts-Kontrast

Beim Qualitätskontrast geht es um die Intensität, Sättigkeit und Reinheit der Farben. Er entsteht zwischen gesättigten, leuchtenden und gebrochenen, stumpfen, trüben Farben; sprich durch Unterschiede in der Farbqualität. Leuchtende Farben wirken optisch vorne; matte, stumpfe Farben wirken wiederum entfernt. Die Wirkung kann durch verschiedene Wege erzielt werden:

  • Beimischen von Schwarz: die Farbe nimmt den Farben ihren Lichtcharakter. Dadurch entfremdet sie die Farben dem Licht und tötet sie mehr oder weniger schnell.
  • Beimischen von Weiß: Dadurch entstehen meist kältere, immer aber hellere Farben.
  • Beimischen von Weiß und Schwarz (Grau): Es entstehen gleich helle, hellere oder dunklere, aber stets trübere Farbtöne. Farben werden hierbei mehr oder weniger neutralisiert und blind.
  • Mischen mit der Komplementärfarbe: Dies führt zur Trübung reiner Farben. Bei entsprechendem Mischverhältnis entsteht ein gebrochenes Grau, bei Zugabe einer nur geringen Farbmenge eine gedämpfte Version des ursprünglichen Tons.

Durch dieses Nebeneinander von reinen und getrübten Farben kann man die Farbintensität wirkungsvoll unterstützen.

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Zusammenfassend kann man sagen, dass Kontraste für die visuelle Wahrnehmung des Menschen fundamental sind, da das Auge “kontrast-verstärkend” wirkt. Gerade zur Lösung von gestalterischen Aufgaben sind die Farbkontraste eine Basis und Orientierungshilfe und dadurch unbedingt im Druckbereich, im Bereich der Produktgestaltung, im Verpackungs- und Werbeartikel Design oder in der Raumgestaltung zu beachten.

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